Holzbauanteil je Gebäudetyp und Bundesland: 7 bis 35 %
Der dena-Gebäudereport 2026: 28 % Holzanteil bei Ein-/Zweifamilienhäusern, nur 8 % bei Mehrfamilienhäusern, 7,2 bis 35,2 % je Bundesland.
Der dena-Gebäudereport 2026 rechnet die Holzbauquote erstmals nach Gebäudetyp und Bundesland auf. Das Ergebnis: Die bundesweite Durchschnittszahl verdeckt Unterschiede, die für Standort- und Produktentscheidungen wichtiger sind als der Mittelwert.
Was passiert ist
Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat über ihr Portal Gebäudeforum klimaneutral im Januar 2026 den Gebäudereport 2026 veröffentlicht. Anders als der Lagebericht von Holzbau Deutschland, der die Gesamtquote über alle Wohngebäude ausweist, schlüsselt der dena-Report den Holzanteil nach Gebäudetyp und nach Bundesland auf. Basis sind überwiegend die Baugenehmigungen des Jahres 2024; für die langfristige Entwicklung seit 2000 wertet der Report dagegen die tatsächlichen Baufertigstellungen aus. Diese Unterscheidung ist keine Randnotiz: Wer beide Kennzahlen vermischt, vergleicht unterschiedliche Größen. Die 24,4 Prozent aus dem Lagebericht 2026 und die hier genannten Werte stammen zudem aus verschiedenen Jahren und Erhebungen und lassen sich nicht einfach addieren oder gegenüberstellen.
Die Zahlen
Bei den 2024er Baugenehmigungen erreicht Holz je nach Gebäudetyp sehr unterschiedliche Anteile:
- Ein- und Zweifamilienhäuser: 28 % — nur Ziegel liegt mit 29 % knapp davor
- Mehrfamilienhäuser: 8 % — deutlich geringer als beim Einfamilienhaus
- Nichtwohngebäude insgesamt: 25 % (Platz 3 hinter Stahlbeton mit 27 % und Stahl mit 26 %)
- Hotels und Gaststätten: 38 % — der höchste Einzelwert
- Landwirtschaftliche Betriebsgebäude: 36 %
- Büro- und Verwaltungsgebäude: 16–18 %
- Fabrik- und Werkstattgebäude: 11 % — der niedrigste Wert
Über einen längeren Zeitraum gerechnet — auf Basis der Baufertigstellungen, nicht der Genehmigungen — ist der Holzanteil von 11 % im Jahr 2000 auf 23 % im Jahr 2024 gestiegen.
Regional reicht die Spanne bei den genehmigten Wohngebäuden von 7,2 % in Hamburg bis 35,2 % in Baden-Württemberg. Bayern und Hessen liegen ebenfalls über 25 %, während Bremen und Niedersachsen deutlich unter dem Bundesdurchschnitt bleiben. Der Report führt die Kluft auf den Gebäudemix zurück: In den Stadtstaaten und im Norden entstehen überwiegend Mehrfamilienhäuser, und genau dort ist der Holzanteil mit 8 % am niedrigsten.
Was das für Kommunen bedeutet
Für Kommunen relativiert das den Blick auf den eigenen Standort. Eine niedrige Holzbauquote in einem norddeutschen Bundesland ist nicht zwingend ein Zeichen fehlender Kompetenz oder fehlenden Willens vor Ort — sie folgt größtenteils daraus, dass dort mehr Geschosswohnungsbau entsteht, ein Segment, in dem Holz bundesweit noch schwach vertreten ist. Wichtiger für die eigene Praxis ist der Blick auf den Gebäudetyp: Büro- und Verwaltungsbauten liegen mit 16 bis 18 Prozent klar unter dem Wert für Einfamilienhäuser. Wer als Kommune ein Rathaus, ein Amtsgebäude oder eine Verwaltungsstelle in Holzbauweise plant, bewegt sich also in einem Marktsegment mit noch spürbarem Ausbaupotenzial — und sollte das bei Losgrößen und Zuschlagskriterien einkalkulieren, weil das Angebot an spezialisierten Betrieben in diesem Teilmarkt noch kleiner ist als im Einfamilienhausbau.
Was das für Investoren bedeutet
Für Investoren liegt die eigentliche Zahl nicht in der Süd-Nord-Spanne, sondern in der Lücke zwischen Gebäudetypen: Mehrfamilienhäuser erreichen nur 8 Prozent Holzanteil, gegenüber 28 Prozent bei Ein- und Zweifamilienhäusern. Gerade Mehrfamilienhäuser sind aber die für institutionelle Investoren relevanteste Assetklasse — hier ist das Marktsegment am wenigsten erschlossen, was je nach Standort sowohl als Risiko als auch als Wachstumschance zu lesen ist. Der langfristige Trend spricht für Letzteres: Der Fertigstellungsanteil hat sich von 2000 bis 2024 mehr als verdoppelt, von 11 auf 23 Prozent. Für Büro- und Gewerbeimmobilien kommt ein regulatorischer Aspekt hinzu: Mit dem ab 2028 greifenden Lebenszyklus-GWP-Nachweis wird die Treibhausgasbilanz über den gesamten Lebenszyklus bewertungsrelevant — ausgerechnet in einem Segment, das mit 16 bis 18 Prozent Holzanteil noch Luft nach oben hat.
Einordnung
Der Report liefert eine nützliche Auflösung nach Typ und Region, aber keine neue Primärerhebung — die Seite selbst nennt keine Quelle wie das Statistische Bundesamt oder das Thünen-Institut, sondern präsentiert die Zahlen als eigene Aufbereitung. Vorsicht ist außerdem bei der Bezugsgröße geboten: Die Typ- und Regionalwerte beruhen auf Baugenehmigungen 2024, der Langfristtrend dagegen auf Baufertigstellungen seit 2000 — beide Reihen zeigen dieselbe Richtung, sind aber nicht deckungsgleich. Und die hier genannten 28 Prozent für Einfamilienhäuser sind keine Widerlegung der 24,4 Prozent aus dem Lagebericht 2026: Es handelt sich um unterschiedliche Herausgeber, Jahre und Bezugsgrößen, die man nebeneinanderstellen, aber nicht gegeneinander aufrechnen sollte. Für die praktische Planung bleibt die zentrale Erkenntnis trotzdem belastbar: Der Gebäudetyp bestimmt die Holzbauquote stärker als der Wohnort — wer im Geschosswohnungsbau oder im Verwaltungsbau unterwegs ist, bewegt sich in einem Markt, der noch deutlich unter dem Niveau des Einfamilienhauses liegt.
Quellen: dena Gebäudeforum klimaneutral: Holzbau in Deutschland – Gebäudereport 2026
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